Jahrgang 2024

Ein Jahr der Extremen und Weinen mit Charakter

Es gibt Jahre, die sich tief einprägen. Jahre, die fordern, zweifeln lassen und am Ende doch zeigen, warum man diesen Beruf mit Überzeugung ausübt. 2024 war für uns ein solches Jahr.

Von Januar bis Mitte April schien zunächst alles in die richtige Richtung zu gehen. Der Januar brachte die größten Schneemengen der vergangenen 20 Jahre. Für einen Moment kehrte Leichtigkeit in die Weinberge zurück – Rodel- und Snowboardspaß inklusive. Vor allem aber war der Schnee ein Segen für die Reben: Das langjährige Wasserdefizit wurde ausgeglichen, die Böden waren bestens vorbereitet auf die kommende Vegetationsperiode.

Nach einem milden Restwinter und einem ungewöhnlich warmen Frühlingsbeginn startete die Vegetation außergewöhnlich früh. Bereits um den 8. April zeigten sich in den Steillagen die ersten Blätter – Wochen früher als gewöhnlich. Diese frühe Entwicklung machte die Reben besonders verletzlich. Der unvermeidliche Spätfrost kam am 20. April. Nur eine Stunde bei –0,7 °C reichte aus, um rund ein Drittel der Ernte zu zerstören. Ein erster, schmerzhafter Einschnitt.

Die Reben erholten sich zwar erstaunlich schnell und wuchsen weiter, doch viele Stöcke trugen kaum oder gar keine Trauben. Der Arbeitsaufwand blieb derselbe, der Ertrag jedoch nicht.

Noch während wir versuchten, diesen Verlust zu verarbeiten, folgte die nächste Herausforderung. Mitte Mai setzte anhaltender Starkregen ein. Die Mosel trat über die Ufer. Hochwasser gehört in unserer Region zum Leben dazu – Hochwasser im Frühsommer jedoch nicht. Zu einem Zeitpunkt, an dem die Reben bereits voll im Wachstum standen, wurden zwei moselnahe Weinberge vollständig überflutet. Der Ertrag dort: null. Der zweite Schlag.

Zu den witterungsbedingten Belastungen kamen persönliche. Die Arbeit in den Steillagen ist körperlich fordernd und nicht ohne Risiko. Ein unglücklicher Moment, ein Fehltritt – und mein Vater fiel mit einem Fußbruch von Juni bis Oktober aus. In der entscheidenden Phase des Jahres fehlte damit die Hälfte der Arbeitskraft unseres Zwei-Mann-Weinguts.

Das restliche Jahr verging im Zeichen der Arbeit fast unbemerkt.

Und doch brachte der Herbst einen versöhnlichen Abschluss. Die Lese verlief ruhig, ohne weitere Kapriolen des Wetters. Geerntet wurden kleine Trauben mit hoher Konzentration und großer aromatischer Tiefe. Es entstanden ausdrucksstarke, komplexe Weine – geprägt von einem Jahr, das viel abverlangt hat.

Die Menge jedoch blieb gering. Am Ende standen rund 50 % weniger Ertrag als im langjährigen Durchschnitt in den Büchern. Ein schmerzlicher Verlust, aber auch Weine, die von Widerstandskraft, Sorgfalt und Durchhaltevermögen erzählen.